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Auf der Welle reiten

Das Begleiten von Kindern ist wie Wellenreiten. Wenn es uns Eltern gut geht und wir in unserer Mitte ruhen, geht es auch dem Kind gut. Wir meistern Konfliktsituationen dann häufiger mit Ruhe, so dass die Welle uns nicht überrollen kann. Geht es uns Eltern aber nicht so gut, beispielsweise wegen zu wenig Schlaf, Schmerzen, Stress oder Sorgen, überrollt uns die Welle. Es geht alles drunter und drüber. Wir reagieren dann oft in einer Art und Weise gegenüber den Kindern, wie wir es eigentlich nicht möchten.

Nonverbale Kommunikation
ist mächtig

Wir kommunizieren in jeder Begegnung mit unseren Kindern – ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Die Art und Weise wie und was wir kommunizieren, hat nicht nur Auswirkungen auf unsere Beziehung zu ihnen, sondern prägt auch massgeblich ihr Selbstbild und ihr Selbstwertgefühl.

 

Wir „senden“ mit unseren inneren Gedanken, Gefühlen und Gesten dem Kind oft unbewusst unser inneres Bild von ihnen. Dies hat grosse Auswirkungen auf das Kind und seine Entwicklung.

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 Nicht das Kind ist „schwierig“, sondern das Kind ruft schwierige Emotionen in mir als Erwachsener hervor.
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Wenn die Gefühle der Kinder dysreguliert sind, ist das obere Gehirn ausgeschaltet, sozusagen ausser Betrieb. Dadurch erreichen wir Eltern das Kind nicht mehr.

 

Verbindung holt das Kind aus der Reaktivität in einen Zustand der Empfänglichkeit. Wenn wir es schaffen, die starken Emotionen von unseren Kindern zu halten, die Emotionen anzunehmen, ohne sie verändern zu wollen und nicht selber wieder in das Verhaltensmuster 3-jähriger zurückfallen, können wir uns mit dem Kind verbinden. Dies erlaubt dem Kind seine Gefühle besser zu regulieren, und sein oberes Gehirn beginnt wieder zu funktionieren.  

 

Mit  Aussagen wie „entspann dich, es ist ja nicht so schlimm“ oder „das wird schon wieder“  erlebt das Kind auf unbewusster Ebene, dass die äussere Reaktion von uns Eltern mit den inneren Empfindungen vom Kind nicht übereinstimmt. Wenn wir uns aber auf die jeweiligen Emotionen einlassen, „ja“ zu den Gefühlen sagen und uns auf diese einstimmen können, dann ergibt diese innere Erfahrung für das Kind einen Sinn. Es fühlt sich angenommen und verstanden. Das Kind kann sich selber verstehen, später die innere Erfahrung benennen und so ein kohärentes Kernselbst entwickeln.

In einer Konfliktsituation übernehmen
wir Eltern oft das Reden (Vortrag halten) und
die Kinder das Zuhören (ignorieren)

Wenn unsere Kinder aus Erwachsenenoptik „unkluge“ Entscheidungen treffen oder mit ihren Emotionen nicht umgehen können, ist für uns Eltern das Bewusstsein wichtig, dass wir den Kindern mit unserem angemessenen Verhalten ermöglichen können, Einsicht zu gewinnen. Wenn wir Eltern jedoch vom Kurs abkommen, in alte Muster zurückfallen und das Kind beispielsweise bestrafen, verbauen wir uns und dem Kind die Chance auf Einsicht und Verbindung. 

 

Es ist kontraproduktiv, wenn wir uns bei einem „Fehlverhalten“ des Kindes auf das Verhängen von Konsequenzen konzentrieren. Das generiert beim Kind primär Gefühle wie „ich bin nicht gerecht behandelt worden“ oder „sie wollen mich ruhig stellen“. Nur selten führt das zu tiefer Reue. Wenn wir zu streng sind, wütend werden, bestrafen oder unverhältnismässig reagieren hören die Kinder auf, sich auf ihr eigenes Verhalten zu konzentrieren und fokussieren stattdessen darauf, wie gemein und unfair sie behandelt werden. Das lenkt unsere Kinder von den physiologischen und emotionalen Botschaften ihres eigenen Gewissens ab. Das Kind bleibt somit nicht bei sich selbst..

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Kinder brauchen keine perfekten Eltern.
Aber sie brauchen Menschen, die bereit
sind, sich mit ihren eigenen inneren Mustern auseinanderzusetzen und so gemeinsam mit Kindern zu wachsen.

Eltern, die sich mit Selbstfürsorge und Achtsamkeit begegnen, leben diese Qualitäten auch vor. Das wirkt sich auch auf das Kind aus.